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Berufsbild Selbständigkeit: Franchise

01.03.2015
posted by: conceptem.de

Was ist Franchising?

Franchising ist ein Geschäftsmodell, welches auf einer Partnerschaft und Arbeitsteilung mit gegenseitiger Wechselwirkung basiert. Dabei übernimmt der Franchisenehmer gegen Zahlung von Gebühren ein bestehendes Franchisekonzept und setzt dieses vor Ort um. Gründungsinteressierte haben somit mittels Franchising die Möglichkeit, sich auch ohne eine eigene Geschäftsidee und fundierte Vorkenntnisse den Traum von einer Selbstständigkeit zu verwirklichen.

Der Franchisenehmer ist dabei ein rechtlich selbstständiger bzw. eigenverantwortlich handelnder Unternehmer, der seine Erfahrungen zurück an die Zentrale kommuniziert und somit zur gemeinsamen Weiterentwicklung des Franchisesystems beiträgt. Denn Franchisesysteme sind Lern- und Innovationsgemeinschaften, zu deren Entwicklung beide Seiten, Franchisegeber und -nehmer, beitragen.

Beispiele für Franchise-Unternehmen (von oben links nach unten rechts) ZGS Bildungs-GmbH, ISOTEC GmbH, Bodystreet GmbH, Town & Country Franchise Lizenzgeber GmbH, BACKFACTORY GmbH, Joey's Pizza Service (Deutschland) GmbH.

Welche Vorteile bietet es?
Der große Vorteil des Franchisings liegt in der Synergie beider Franchiseparteien: Franchising verbindet die Vorteile von großen Unternehmen (Marktmacht) mit denen von kleineren Unternehmen (Marktnähe). Der Franchisegeber ermöglicht Existenzgründern oder bestehenden Unternehmen die Übernahme und Umsetzung seines markterprobten Geschäftskonzeptes gegen Gebühr. Der Franchisenehmer profitiert vom ersten Tag an vom Franchisenetzwerk – von einem einheitlichen Auftritt der „Marke“ am Markt und somit von einem gesteigerten Wiedererkennungseffekt beim Kunden. Er erhält eine etablierte Marke mit Schutzrechten, Einkaufsvorteilen und Dienstleistungen sowie Unterstützung in betriebswirtschaftlichen Fragen, in Marketing und PR.

Der Franchisenehmer beginnt somit nicht bei null, sondern kann auf das gesamte Know-how des Franchise-Konzeptes zurückgreifen. Der lange Entwicklungsprozess einer Geschäftsidee und die damit verbundenen Kosten entfallen und der Franchisenehmer ist somit in der Lage seinen Geschäftsbetrieb sofort zu starten. Dank des starken Partners an seiner Seite kann sich der Franchisenehmer ganz auf den Vertrieb vor Ort und auf seine Kunden konzentrieren.

Mittels Schulungen bereitet der Franchisegeber seinen Franchisenehmer von Beginn an auf den Geschäftsbetrieb vor und unterstützt ihn permanent während der gesamten Vertragslaufzeit. Dies betrifft z.B. die Bereiche Marketing und Öffentlichkeitsarbeit, Buchhaltung und Controlling, Beschaffung und Absatz, Fortbildungen sowie die Betriebsorganisation.

Der Franchisegeber ist für die Weiterentwicklung, Vermarktung und Kontrolle seines Betriebskonzeptes verantwortlich. Durch diese – erfolgsentscheidende – Aufgabenteilung zwischen Franchisenehmer und Franchisegeber profitieren alle von den Erfahrungen der anderen.

Und nun möchten wir Torben L. Brodersen, Geschäftsführer des Deutschen Franchise-Verbandes e.V. (DFV) ein paar Fragen stellen:

CONCEPTEMverlag: Wie viele Franchisesysteme gibt es in Deutschland?

Torben L. Brodersen: In Deutschland sind derzeit rund 1.000 Franchisesysteme auf dem Markt. Rund 1/3 dieser Systeme sind qualitätsgeprüfte Mitglieder des DFV.

CONCEPTEMverlag: Welche Voraussetzungen sollte ein angehender Franchisenehmer mitbringen, damit er es zum erfolgreichen Franchise-Unternehmer bringen kann?

Torben L. Brodersen: Aufgrund der guten Ausbildungskonzepte in Franchisesystemen haben Interessenten unterschiedlichster Vorbildung gleiche Chancen. An selbstständige Unternehmer wird – auch innerhalb eines Franchisesystems – eine Reihe von Anforderungen gestellt. Wer diesen gewachsen ist, ist auf dem Weg zum erfolgreichen Franchisepartner einen guten Schritt näher.

Hierbei sollte sich der angehende Franchisenehmer folgende Fragen stellen und diese mit „Ja“ beantworten können:

• Möchten Sie sich überwiegend auf Verkauf, Kundenbetreuung, Erschließung des regionalen Marktes und die Führung Ihrer Mitarbeiter konzentrieren?

• Können Sie Menschen motivieren und führen?

• Verfügen Sie über ausreichend kaufmännische und/oder fachliche Qualifikationen für die Selbstständigkeit? Sind Sie bereit, ständig dazuzulernen und sich in der Freizeit weiterzubilden?

• Können Sie auf die volle Unterstützung Ihrer Familie bauen?

• Können Sie gut im Team arbeiten und möchten Sie Ihre Ideen einbringen?

• Können Sie sich vorstellen, im Rahmen eines Netzwerkes zu agieren und den einheitlichen Unternehmensauftritt loyal zu vertreten?

• Sind Sie bereit, mehr als 40 Stunden in der Woche zu arbeiten?

• Reichen Ihre finanziellen Reserven, um bei Bedarf die ersten Monate zu überbrücken?

• Verfügen Sie über ausreichend Selbstvertrauen, um eventuelle Rückschläge wegzustecken?

CONCEPTEMverlag: Mit welchem Startkapital muss man beim Franchising durchschnittlich rechnen?

Torben L. Brodersen: Hier ist zwischen verschiedenen Arten von Gebühren zu unterscheiden:

Eintritts-/Einstiegsgebühr

Die Höhe der Eintrittsgebühren ist sehr unterschiedlich – manche Systeme erheben keine Eintrittsgebühren, haben dafür in der Regel allerdings höhere laufende Gebühren. Eintrittsgebühren ergeben sich aus den Vorleistungen des Franchisegebers wie:

• Entwicklung des Geschäftstyps

• Erprobung in Pilotbetrieben

• Dokumentation des Know-hows

• Image/Bekanntheitsgrad sowie aus Aufbau-/Transferleistungen wie Suche/Auswahl der Franchisenehmer

• Standortanalysen

• Betriebsaufbau

• Erstschulung

• Unterstützung bei der Markteinführung

Laufende Gebühren

Die Höhe der laufenden Gebühren – auch Franchisegebühr genannt – ist abhängig von den Leistungen, die der Franchisegeber dem Franchisenehmer bietet und errechnet sich in der Regel aus dem monatlichen Netto-Umsatz. In der Regel liegen sie bei 1 bis 15 Prozent des Netto-Umsatzes. Sie sind abhängig von den Leistungen, die der Franchisegeber dem Franchisenehmer bietet. Dies können z.B. sein:

• Know-how

• Training

• Markenschutz

• Werbemitteln

• Kontinuierlicher Unternehmensberatung

• Weiterentwicklung (Innovation) des Systems.

Neben der laufenden Gebühr können Franchisegeber auchWerbeumlagen berechnen. In diesem Fall empfiehlt es sich, nachzuprüfen, ob diese auch tatsächlich für überregionale Werbung und die allgemeine Marketingstrategie verwendet werden. Dabei haben Franchisenehmer gegenüber dem Franchisegeber Anspruch auf Rechnungsnachweis und Auskunftserteilung.

Investitionssumme

Die Gesamtinvestitionssumme ergibt sich aus der Eintrittsgebühr und den Investitionskosten für den Aufbau des Franchisebetriebs mit Ladenbau, Geschäftsausstattung, Warengrundstock, etc.

CONCEPTEMverlag: Wer hilft bei der Finanzierung?

Torben L. Brodersen: Um eine Existenzgründung im Franchising, die gute unternehmerische Idee erfolgreich umzusetzen, erfordert es meist eine solide Eigenkapitalausstattung. 10% bis 20% der gesamten Investitionssumme sollte der Franchisenehmer in der Regel an Eigenkapital mitbringen. Eine entsprechende Ausstattung erlaubt dem Existenzgründer die Möglichkeit, Chancen wahrzunehmen und vorhersehbaren und/oder unvorhergesehenen Herausforderungen gelassen zu begegnen.

Existenzgründer wenden sich am besten an ihre »Hausbank«, die kompetent weiterhilft. Häufig verfügen Franchise-Unternehmen auch über Kontakte zu Hausbanken oder können ein Kreditinstitut zur Finanzierung empfehlen.

Interessenten sollten bei einer Finanzierungsanfrage verschiedene Kreditinstitute aufsuchen und nach einer Einbindung von Eigenkapitalhilfe, ERP-Darlehen, Bürgschaftsbanken, Beteiligungsgesellschaften, Förderprogrammen etc. fragen. Die Franchisegeber, wie auch der Deutsche Franchise-Verband e.V. (DFV) haben ein effektives Netzwerk zur finanziellen Unterstützung von angehenden Franchisenehmern aufgebaut. So kooperiert der DFV z.B. mit dem Verband Deutscher Bürgschaftsbanken sowie mit dem Sparkassen- und Giroverband, um die Finanzierungsbereitschaft bei bekannten und tragfähigen Franchisekonzepten zu verbessern und dadurch Finanzierungsentscheidungen von Kreditinstituten zu beschleunigen.

CONCEPTEMverlag: Wie findet man das passende Franchisesystem?

Torben L. Brodersen: Ein wichtiges Auswahlkriterium bei der Suche nach einem geeigneten Franchise-Unternehmen ist die gegenseitige »Chemie«. Geschäftskonzept, persönliche und fachliche Qualifikationen müssen miteinander harmonieren. Dabei kommt es besonders auf unternehmerische Eigenschaften und persönliches Engagement an. Mindestens ebenso wichtig ist das gegenseitige partnerschaftliche Vertrauen. Wer sich für ein Franchisesystem interessiert, sollte sich vorab bestmöglich informieren. Nur wer sich optimal mit dem Unternehmen identifizieren kann, vermag es auch erfolgreich zu vertreten.

Wichtig ist, dass das Konzept tragfähig und erprobt sein sollte. Darüber hinaus sollte es deutliches Zukunftspotenzial mit Alleinstellungsmerkmalen und Wettbewerbsvorteilen besitzen und nicht nur einem kurzlebigen Trend folgen.

Im Verzeichnis der Franchisewirtschaft

www.franchise-wirtschaft.de,

der Franchise Basis Liste

www.basisliste.de

sowie in den Onlineportalen, wie

www.franchiseportal.de

www.franchise-net.de

www.frachisedirekt.com,

können sich Franchisenehmer-Interessenten über Franchisekonzepte informieren.

Im sogenannten „Systemfinder“ auf der der verbandseigenen Website:

www.franchiseverband.com/franchise-system-finder

bietet der DFV einen Überblick über qualitätsgeprüfte Franchisesysteme.

Zusätzlich veranstaltet der Verband eine eigene Franchise-Messe, bei der Sie Franchisesysteme hautnah kennenlernen können:

www.franchise-matchingday.de


Weiteres Informationsmaterial, wie z.B. Checklisten zu den wichtigsten Fragen, die im Vorfeld einer Franchisepartnerschaft geklärt werden sollten, sind über die DFV-Website

www.franchiseverband.com/dfv-services/infomaterial/

erhältlich.

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